Durch den Winter mit Baby

Der Winter ist aus Hebammensicht meine Lieblingszeit für das Wochenbett. Die Familien setzen das Ausruhen und sich in die Wochenbetthöhle verkriechen oftmals viel selbstverständlicher um. Dennoch werden alle Eltern die Winterzeit mit einem mehr oder weniger großen Baby nicht nur drinnen, sondern auch draußen verbringen. Es gibt ein paar Dinge zu beachten, um mit dem Baby eine warme und wunderbare Winterzeit zu verbringen.

Auch hier gilt es immer wieder individuell darauf zu achten, was gerade passt. Sicherlich ist frische Luft eine gute Idee und unterstützt auch einen gesunden Schlaf. Aber als müde Babyeltern muss man sich nicht bei jedem Wetter rausquälen. Man darf es sich gerne einfach auch mal den ganzen Tag oder das ganze Wochenende zu Hause gemütlich machen. Wenn das Kleinkindalter kommt, wird das vielleicht nicht mehr so einfach umsetzbar sein, weil der Bewegungsbedarf eines Kindes keine Rücksicht auf das Wetter nimmt. Eltern werden also in den noch folgenden Jahren oft genug frierend auf dem Spielplatz stehen.

Warme und praktische Kleidung

Wenn es dann aber doch rausgehen sollte, sorgt die passende Kleidung dafür, dass es das Baby schön warm hat. Denn es kann sich noch nicht durch Kältezittern oder bewusste Muskelaktivität aufwärmen, wenn es friert. Hinzu kommt, dass es noch vor kurzer Zeit in der 37 Grad warmen Gebärmutterumgebung war. Babys können die Wärme noch nicht ausreichend halten. Grob kann man deshalb sagen, dass sie mindestens eine Schicht Kleidung mehr brauchen als Erwachsene, wenn es nicht gerade tropische Temperaturbedingungen haben sollte.

Unschlagbar in Sachen Temperaturregulation sind die Naturmaterialien Wolle und Seide, gerne in Kombination verarbeitet. Da dies tierische Produkte sind, sind Haltung und Herstellungsbedingungen ein wichtiges Kriterium, was entsprechend auch die zum Teil sehr hohen Preise erklärt. Allerdings kann man Babysachen auch gut aus zweiter Hand kaufen oder leihen.

Stoffe aus Pflanzenfasern wie Baumwolle oder Leinen sind nicht ganz so gut wärmeregulierend. Es kommen auch immer wieder neue vegane Materialzusammensetzungen auf den Markt, oft aber noch nicht in Babykleidung zu finden.

Lockere Bündchen fürs Winterbaby

Ein langärmeliger Body aus Wolle-Seide ist eine gute erste Schicht für dein Baby. Wickeljäckchen und weiche Schlupfhosen aus Wolle sind wärmend und gemütlich. Statt Socken sind Kniestrümpfe meist geeigneter, weil sie eben nicht so leicht vom Fuß rutschen. Achte aber auf ein ausreichend lockeres Bündchen, das auch in ein kleines Speckbeinchen nicht unangenehm einschneidet. Bei Tragekindern sollten Hosen immer lang genug sein, so dass sie auch in der Anhock-Spreizhaltung in der Trage die Beinchen weiterhin bedecken. Mitwachsbündchen zum Umklappen haben sich bewährt. Aber auch Babystulpen sind eine Option.

Ebenso schnell wie Socken gehen auch Fäustlinge und Füßlinge von Winterbabys gerne verloren. Eine gute Alternative sind die Umklappbündchen von zum Beispiel Wollwalk-Overalls. Diese Overalls sind eine gute Alternative zu dicken Schneeanzügen aus Kunststoffen.

Auch hier sorgen die temperaturregulierenden Eigenschaften dafür, dass das Baby weder friert noch schwitzt. Auch wenn es unterwegs mal kurz ins Warme geht, weil beim Bäcker ein Stopp gemacht wird. Unbedingt vermieden werden sollte feuchte Kleidung durch zum Beispiel Schwitzen oder auslaufende Windeln. In nassen Sachen kühlen Babys ganz besonders schnell aus.

Wohl behütet mit Woll-Seide

Da Babys im Verhältnis zur Körperoberfläche einen sehr großen Kopf und meist auch noch wenig Haare haben, geht über diesen viel Wärme verloren. Eine Kopfbedeckung ist deswegen nicht nur im tiefen Winter sinnvoll. In der ersten Zeit kann auch ein dünnes Mützchen drinnen sinnvoll sein – auch hier hat sich die Woll-Seide-Mischung bewährt. Für draußen ist dann eine Mütze aus weicher Wolle ideal. Das Mützchen sollte gut am Kopf anliegen, aber nicht zu knapp sein, damit auch Ohren und der Hinterkopf-Nacken-Bereich gut geschützt sind.

Die Haut ist der Bereich im Gesicht, der sich nicht mit Kleidung schützen lässt. Darum sollten kleine Babynasen, Wangen, Kind und alle freien Partien mit einer Wind- und Wettercreme geschützt werden. Die Creme muss wasserfrei sein, damit auf der Haut keine Verdunstungskälte entsteht. Hochwertige Fette und Öle schützen die Haut vor Feuchtigkeistverlust.

Laufende Nasen und Speichelfluss besonders in Kombination mit Kälte belasten die viel zartere Babyhaut schnell. Hier kann man mit einem reichhaltigen, ebenfalls wasserfreien Balsam auch unterwegs noch mal auf diesen Bereichen nachfetten. Babyhaut ist ungefähr fünf mal dünner als die Haut von Erwachsenen und in ihren Funktionen noch nicht voll entwickelt. Das macht sie besonders bei herausfordernden Witterungsbedingungen so schutzbedürftig.

Unterwegs mit dem Winterbaby

Gerade bei kalten Temperaturen sind Babys gut am Körper der Eltern getragen aufgehoben – ob in einem Tuch oder einer Komfortrage. In Sachen Wärme gilt es zu unterscheiden, ob das Baby unter oder über der Jacke der Eltern getragen wird. Über der Jacke ist es genauso dick einzupacken wie im Kinderwagen. Von der elterlichen Körperwärme profitiert es nur, wenn es mit unter der Jacke ist.

Inzwischen gibt es nicht nur etliche Tragejackenmodelle, sondern auch Jackenerweiterungen, mit denen bisherige Jacken entsprechend umgebaut werden können. Es gibt hier schöne Lösungen, die bereits in der Schwangerschaft gut nutzbar sind.

So genannte Tragecover werden über der Jacke der Eltern getragen. Sie halten aber doch nicht ganz so gut warm wie das direkte Tragen unter der Elternjacke. Je nach Babygröße rutscht auch hier und da immer mal ein aktives Füßchen raus, so dass Wind und Kälte hineinkönnen. Für Herbst- und Übergangszeiten können sie aber praktisch sein und schützen zudem auch vor Regen.

Warm und geborgen im Kinderwagen

Tragende Eltern sollten die eigene Kleidung unter der Jacke so anpassen, dass auch ihnen warm genug ist, sie aber nicht ins Schwitzen kommen. Mit dem kleinen „persönlichen Backofen“ vor dem Oberkörper kann das schnell passieren. Zügiges Laufen oder auch Hormonschübe können für Hitzewallungen sorgen. Bei einem Wechsel von draußen nach drinnen, kann die Tragejacke einfach ausgezogen werden. Das ist besonders praktisch, wenn das Baby eingeschlafen ist. 

Natürlich kann ein Baby auch im Kinderwagen durch den Winter rollen, aber dafür sollte die Ausstattung stimmen. Das Baby wärmt sich nicht durch eigene Bewegungen auf und sagt eben auch nicht Bescheid, wenn es friert. Deswegen sollte unterwegs auch immer mal geprüft werden, wie es sich anfühlt. Auch eine Überwärmung lässt sich zum Beispiel anhand eines schwitzigen Nackens feststellen. Anzeichen für eine beginnende Unterkühlung bei einem Baby zeigen sich durch Blässe, bläuliche Lippen aber eventuell auch Unruhe und eine schnellere Atmung. 

Der Kinderwagen sollte im Winter besonders von unten gut isoliert sein. Das kann ein eingelegtes Lammfell oder auch als tierleidfreie Version eine zurechtgeschnittene Styroporplatte sein, die man unter die Matratze legt. Vor dem Kinderwagenausflug kann man den Matratzenbereich auch mit einer Wärmflasche etwas „vorheizen“.

Winterausflüge gut dosieren

Im Kinderwagen sorgt neben der entsprechenden Kleidung ein Fußsack aus wärmenden Materialien wie Fleece oder Schaffell für ein gut temperiertes Baby. Für warme Elternhände kann ein Handmuff sorgen, der am Schiebegriff befestigt ist. Schon sitzende Kinder sollten entgegen der Fahrtrichtung geschoben werden. Generell ist es für Babys und kleine Kinder weniger überfordernd, wenn sie den vielen Reizen nicht frontal ausgesetzt sind. Zudem halten sie entgegen der Fahrtrichtung geschoben, den Kontakt zu ihren Bezugspersonen. Eltern können viel besser mit ihrem Kind kommunizieren und wahrnehmen, was es braucht oder auch ob ihm zu kühl ist. Im Winter kommt hinzu, dass das Kind so auch nicht dem kalten Wind von vorne ausgesetzt ist.

Entsprechend den Außentemperaturen sollten Winterausflüge zeitlich begrenzt sein. Bei sehr kaltem und vor allem windigen Wetter kann man auch gerne mal ganz darauf verzichten – entsprechend den individuellen Bedürfnissen von Familien. Das gilt natürlich auch, wenn Wege rutschig oder vereist sind. Ob tragend oder schiebend sollten Eltern immer darauf achten, selbst gut und sicher laufen zu können. Der Kinderwagen eignet sich weniger gut zum Festhalten als man meint. Er wird bei einem plötzlichen Sturz eher mit umgerissen.

In der Babyschale fürs Auto darf das Kind nicht in dicken Kleidungsschichten liegen, weil es sonst nicht gut genug mit den Gurten gesichert werden kann. Auch hier gibt es spezielle warme Decken und Fußsäcke, die extra dafür konzipiert sind.

Gesund durch die kalte Jahreszeit

Frische Luft tut gut – auch in der Wohnung. Deshalb ist regelmäßiges Lüften wichtig. Die warme Heizungsluft trocknet die Schleimhäute aus und macht so anfälliger für Erkältungen. Deshalb sollten Eltern es auch zu Hause nicht übertreiben mit dem Heizen, sondern lieber das Baby entsprechend anziehen.

Für Situationen, in denen das Kind unbekleidet ist wie beim Wickeln oder Baden bewährt sich besonders im Winter eine punktuelle Wärmequelle. Eine Wärmelampe am Wickelplatz ist aber nicht nur für Winterbabys eine gute und sichere Option. Pflegesitiationen werden damit oft deutlich entspannter. Wärmequellen wie Heizlüfter oder Rotlichtlampen sind nicht geeignet und bergen Sicherheitsrisiken.

Infektionen werden sich nicht verhindern lassen und laufende Nasen gehören in der Baby- und Kleinkindzeit mit dazu. Aber natürlich ist jede Erkrankung auch für die Eltern eine Herausforderung. Ein krankes Kind zu begleiten kann ziemlich anstrengend sein, so dass man froh ist um jeden Infekt, der an der Familie vorbeizieht. Das gilt besonders dann für die Kitazeit, in der sich das Immunsystem kleiner Menschen mit einer Vielzahl von Krankheitserregern auseinandersetzt.

Infektionsrisiko reduzieren

Um in der Babyzeit das Infektionsrisiko zu reduzieren ist es sinnvoll, Besucher darauf hinzuweisen, sich die Hände zu waschen und krank bitte überhaupt erst keine Besuche bei Babyeltern zu machen. Genauso gilt für den Besuch in Krabbel- oder Stillgruppen, dort bitte nicht mit einem dick verrotzten oder hustenden Kindern aufzutauchen. Zum einen wegen der Ansteckungsgefahr für alle anderen. Zum anderen auch, weil die Situation für ein kränkelndes Kind meist zu viel ist.

Faktoren wie eine ausgewogene Ernährung, genug Flüssigkeit und guter Schlaf sind bei kleinen und großen Menschen förderlich für die Gesundheit. Auch Stillen reduziert das Infektionsrisiko für bestimmte Erkrankungen, da Muttermilch antibakterielle und antivirale Eigenschaften hat. Aber trotz idealster Bedingungen sind Kinder mal mehr und mal weniger krank.

Und das gilt auch für Eltern. Selbst krank zu sein mit kleinem Kind kann extrem herausfordernd sein. Eltern sollten deswegen nicht nur die Gesundheit des Babys, sondern auch ihre eigene gut im Blick haben. Ein achtsamer Umgang mit den elterlichen Energiereserven ist immer eine gute Idee – aber besonders im Winter mit Winterbaby.

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