Fragen an die Hebamme: Schwanger auf dem Rücken liegen?

Die Liste mit Dingen, die Schwangere vermeintlich nicht mehr tun sollen, ist lang. Es gibt diversen Lebensmittel, die schwanger nicht verzehrt werden sollen. Und es stehen auch viele Aktivitäten auf der Verbotsliste. Von bestimmten Sportarten bin hin zum Aufhängen von Wäsche ist da alles dabei. Manches ist tatsächlich sinnvoll, manches eher nicht.

All diese vielen Dos und Don’ts führen nicht selten dazu, dass Angst und Sorge zunehmen. Selbst beim Schlafen stellen sich Schwangere die Frage, ob sie etwas falsch machen können. Dabei sind unsere Einflussmöglichkeiten auf das Verhalten im Schlaf doch eher gering. Doch wie kommt es eigentlich dazu, dass sich Schwangere fragen, ob sie auf dem Rücken liegen oder gar schlafen dürfen?

Es gibt das so genannte Vena-Cava-Kompressionssyndrom. Es kann sich vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft durch Symptome wie plötzlichen Blutdruckabfall, Schwindel, einen beschleunigten Puls oder sogar Synkopen (kurzer, spontaner Bewusstseinverlust) zeigen. Schwangere verspüren zudem eventuell auch Symptome wie Unruhe, Atemnot, Übelkeit oder kalten Schweiß. Auch auffällige Blässe und Erbrechen können auftreten.

Ursache ist ein Abdrücken der unteren Hohlvene (Vena Cava inferior) durch den in der Schwangerschaft deutlich  vergrößerten und schwereren Uterus (Gebärmutter). Ungefähr ab der 20. Schwangerschaftswoche kann die Gebärmutter in Rückenlage so viel Druck auf die untere Hohlvene ausüben, dass die Blutzufur zum Herzen gesenkt wird. Das in der Folge sinkende Herzminutenvolumen führt zu einem Blutdruckabfall. Die Schwangere spürt das Absinken des Blutdrucks bei gleichzeitigen Anstieg der Herzfrequenz.

Außerhalb von Schwangerschaften kann das Vena-Cava-Kompressionssyndrom auch bei Raumforderungen (z.B. durch Tumore) oder extremer Adipositas auftreten.

Vena-Cava-Kompressionssyndrom vermeiden

Da die Schwangerschaft immer mindestens zwei betrifft, können sich auch beim Kind Symptome zeigen. Hierzu müsste es aber zu einer akuten Minderperfusion (verminderte Durchblutung) der Plazenta (Mutterkuchen) kommen. Diese würde man beobachten, wenn gerade ein CTG aufgezeichnet oder die Herztöne abgehört werden. Hier würde ein Abfallen der Herztöne sichtbar oder hörbar sein. Nach der Lageänderung erholen sich die Herztöne aber rasch wieder.

Da die oben beschriebenen Symptome bei der Mutter so deutlich sind, wird sich eine Schwangere ganz intuitiv anders hinlegen oder aufsetzen. Das Baby erlebt also in der Regel nicht von der Mutter unbemerkt diese Situation.

Genau das ist auch der Grund, warum es gerade in den ersten Monaten der Schwangerschaft keine Pauschalempfehlungen zur Ruhelage gibt. Wenn sich die Rückenlage problemlos und angenehm anfühlt, darf diese auch beibehalten werden. In linker Seitenlage ist Durchblutung für das Baby am besten. So wird am wenigsten Druck auf Gefäße und innere Organe ausgeübt.

Keine Panik wegen Vena-Cava-Kompressionssyndrom

Das betrifft aber eben vor allem den Zeitraum, in dem Baby und Gebärmutter entsprechend durch das Gewicht mehr Druck ausüben. Deshalb gibt es die Empfehlung, ungefähr in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft beim Ruhen und Einschlafen die Seitenlage einzunehmen. Schwangere müssen jedoch nicht in Panik geraten, wenn sie in Rückenlage aufwachen. Die Symptome des Vena-Cava-Kompressionssyndrom würden sie auch nachts aufwachen und ihre Position verändern lassen.

Je nach körperlicher Konstitution erleben Schwangere die Anzeichen des Vena-Cava-Syndroms schneller. Sehr zierliche Frauen merken Symptome vielleicht auch schon zu einem früheren Zeitpunkt der Schwangerschaft – zum Beispiel in der halbliegenden Position bei der Zahnärztin oder im Kosmetikstudio. Auch gymnastische Übungen in Rückenlage können es auslösen und sind spätestens ab der 28. SSW nicht mehr empfehlenswert. Sobald Unbehagen oder Symptome auftreten, ist ein schneller Positionswechsel die richtige Strategie. Die Rückenlage ist zudem nicht nur bei der Geburt eine eher ungünstige Position. Dies gilt schon in der Spätschwangerschaft, wenn sich das Baby so langsam auf dem Geburtsweg bestmöglich in Startposition begibt. Hier kann die richtige Haltung diesen Prozess gut unterstützen.

Um gerade in der fortgeschritteneren Schwangerschaft dem Vena Cava-Kompressionssyndrom vorzubeugen, ist gut drauf zu achten, dass die Schwangere entsprechend seitlich liegen kann. Das gilt auch für Untersuchungen wie zum Beispiel CTG oder Ultraschall. Und natürlich sollte auch bei der Lagerung zur Vorbereitung für eine Bauchgeburt (Kaiserschnitt) die komplette Rückenlage vermieden bzw. möglichst kurz gehalten werden. 

Wichtig ist also – wie bei allen körperlichen Erscheinungen in der Schwangerschaft – gut hinzuhören und zu spüren, um dann entsprechend zu reagieren. Also bitte keine falsche Höflichkeit und abwarten, bis zum Beispiel die Zahnärztin fertig ist. Immer wieder zu schauen, ob eine Position (noch) angenehm ist. Und entsprechend für Veränderung zu sorgen, ist zudem auch eine gute Vorbereitung für die Geburt.

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