Wie Babys sich von Anfang an mitteilen

Früher wurden Babys als unfertige, bedürftige Wesen dargestellt. Der Blick war auf ihre scheinbare Unvollkommenheit und geringere Entwicklung im Vergleich zum Erwachsenen gerichtet. Nicht selten werden auch heute Babys noch als unreif und dumm dargestellt. Das Gegenteil ist aber eigentlich der Fall.

Babys kommen mit vielen Kompetenzen auf die Welt. Eine der großen Kompetenzen ist es, dass sich Babys überall auf der Welt an die dort herrschenden Bedingungen anpassen können im Hinblick auf die sie umgebende Umwelt. Sie lernen die jeweils vorherrschende Gestik, Mimik, Sprache und den sozialen Umgang miteinander. Was auf den ersten Blick als Unreife betrachtet wird, ist eigentlich eine wichtige Kompetenz für das menschliche Überleben. 

Und auch darüber hinaus kommen Babys bereits mit vielen Fähigkeiten zu uns, um sich mitzuteilen und darüber Bindung aufzubauen. Durch bestimmte Aktivitäten und auch Geräusche zeigen Babys, dass sie Hunger haben. Zu den frühen Stillzeichen gehören zarte Mund- und Saugbewegungen oder eine leicht herausgestreckte Zunge. Manchmal lassen sich auch Saug- und Schmatzgeräusche dabei hören.

Die Suchbewegungen des Köpfchens oder das Saugen an den Fingern  gehören schon zu den recht aktiven Hungerzeichen. Auch eine erhöhte motorische Unruhe weist darauf hin, was das Baby nun braucht. Hohe Körperspannung sowie Schreien oder eine erhöhte Atemfrequenz gehören zu den späten Signalen. Oft ist das Baby dann so im Stress, dass es erst mal Hilfe bei der Emotionsregulierung braucht, bevor es an der Brust oder auch an der Flasche trinken kann. Deshalb ist es so wichtig, dass Eltern von Anfang lernen, die Still- und Hungerzeichen ihres Babys zu lesen

Sättigungssignale respektieren

Auch ohne Worte können Säuglinge also Hunger und Sättigung deutlich zeigen. Beim Stillen sorgt das selbständige Loslassen der Mamille (Brustwarze) für die Beendigung. Bei einer Flaschenmahlzeit können Eltern am Entspannungszustand und dem Verhalten des Babys sehen, wenn es genug getrunken hat. Es ist wichtig auf diese Signale einzugehen.

Auch im Beikostalter gilt es dies gut zu beachten. Elternaufgabe ist hier für ein gesundes und babygerechtes Angebot zu sorgen, aber nicht eine bestimmte Menge Nahrung in das Kind zu befördern. Das Respektieren und Beachten der kindlichen Signale fördert die Wahrnehmung von Hunger und Sättigung bis weit in das Erwachsenenalter hinein.

Ein ebenfalls wichtiges Signal ist das Abwenden des Kopfes, was nicht nur im Kontext Sättigung zu beobachten ist. Auch wenn das Baby müde wird, wendet es sich ab und möchte nicht weiter bespielt werden. Dieses Signal ist besonders wichtig, um dem Baby die notwendige Entspannung zu geben nach aufregenden Interaktionen. Wird es nicht angemessen beantwortet, bleibt dem Baby als einziges deutliches Signal nur noch das Weinen.

Unruhe und Selbstberuhigung

Dieses ist einerseits das stärkste Signal für ein Unwohlsein des Babys und kann andererseits auch ein Instrument des Stressabbaus sein: Durch das Weinen wird Stress vermindert, zum Teil sogar mittels Tränen aus dem Körper ausgeschwemmt. Weint das Baby, kann also ein nicht erfülltes Grundbedürfnis dahinter stehen oder „nur“ der Bedarf, Stress abzubauen. 

Ein anderes Signal der Selbstberuhigung sehen wir oft bei Wickelsituationen: Das Baby zieht die Beine an und die Füße berühren sich. Durch diese Strategie des Zentrierens und Spürens von Grenzen an den Füßen beruhigt sich das Baby. Manchmal braucht es aber auch mehr Unterstützung von den Eltern. Sehen wir, dass das Baby die Beine anzieht, können wir einen Moment abwarten und eine Pause in unseren Handlungen machen, damit das Baby sich wieder beruhigen kann. Selbst das Bedürfnis nach Ausscheidung zeigen Babys anfangs durch Unruhe, manche durch Schreien an und können dann entsprechend abgehalten werden, damit sie nicht in die Windel machen

Eltern benötigen Zeit, um die Signale deines Kindes kennenzulernen. Verbringe also Zeit mit dem Beobachten des Babys und ergründe, wann es müde wird und wie es das zeigt. Gucke darauf, wann es ausscheidet und wie es sich vorher verhält. Wie es seinen Hunger anzeigt und wie und wann es mit dir spielen will oder wann es eine Pause braucht. Dein Kind kann und möchte von Anfang an mit dir kommunizieren – auf seine ganz eigene Weise.

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