Gute Wünsche für die Wochenbettzeit

Über die Bedeutung des Wochenbettes habe ich hier in der Reihe Wochenbettwissen und an vielen Stellen schon geschrieben. Immer wieder wird deutlich, dass eine entspannte Wochenbettzeit vor allem auch davon abhängt, wie viel Unterstützung die frisch geborene Familie in dieser besonderen Zeit erhält.

Besuch im Wochenbett kann eine wunderbare Hilfe oder eine große Belastung sein. Damit ersteres der Fall ist, müssen nicht nur die Eltern gut darüber informiert sein, wie wichtig diese Phase für die Regeneration, das Kennenlernen des Babys und das Ankommen in dem neuen Familienkonstrukt ist. Familie und Freunde kann man gut auf das Thema einstimmen, indem vorab schon eigene Wünsche für die Wochenbettzeit kommuniziert werden. Damit sind viel weniger konkrete zu kaufende Geschenke als viel mehr wirkliche Hilfe gemeint. 

Hier ein paar Anregungen für die Wochenbettwunschliste: 

Gut genährt: Essen ist immer eine wunderbare Geschenkidee im Wochenbett. Freunde, Familie und Nachbarn können hier reihum die junge Familie über Tage oder sogar Wochen mit Mahlzeiten versorgen. Damit es auch schmeckt, gerne vorab Lieblingsgerichte und besondere Vorlieben und Abneigungen erfragen. Und die kochenden Helfer sollten vorab über „Milchmärchen“ bezüglich der Ernährung in der Stillzeit aufgeklärt sein, damit sie nicht grundlos gesunde und leckere Lebensmittel aus Sorge vor Blähungen beim Baby weglassen.

„Haushaltsverbot“ im Wochenbett

Ein paar Ideen für einfache Rezepte gibt es hier unter Wochenbettessen oder Lieblingsessen. Ein beliebter und nährender Klassiker ist die Wochenbettsuppe , die man gerne in größeren Mengen kochen kann.  Ein Lieblingskuchen, Energiebällchen und einhändig essbare Snacks kommen auch gut an im Wochenbett. Wenn die kochenden Helfer nicht so präsent vor Ort sind, kann auch vorgekochtes und eingefrorenes Essen ein schönes vorgeburtliches Geschenk sein. Gutscheine für Lieferdienste – hier gibt es inzwischen einige Anbieter für gesunde Wochenbettkost – sind auch eine schöne Idee.

Ein bisschen Haushalt: Mit Baby haben auch schnell sogar zwei Erwachsene alle Hände voll zu tun. An manchen Babytagen wird man sogar kaum zum Duschen kommen, weil dieser neue kleine Mensch ein so großes Nähebedürfnis hat. Im Wochenbett gilt zudem aus Hebammensicht ein „Haushaltsverbot“ für die Mutter. Natürlich verbieten wir erwachsenen Menschen nichts. Aber wir wissen aus Erfahrung nur allzu gut, wie negativ es sich auswirkt – ob auf die Rückbildung, die Beckenbodengesundheit oder das Stillen – wenn Frauen im Wochenbett zu schnell zu viel machen.

Die guten Geister im Wochenbett dürfen also gerne helfen beim Einkaufen, Wäsche waschen, Staub saugen, Badezimmer putzen und allem, was sonst so anfällt. Auch hier können Gutscheine für eine Reinigungskraft ein super Geschenkidee sein. Auch die Unterstützung durch eine Haushaltshilfe oder speziell ausgebildete Mütterpflegerin bzw. Postpartum-Doula kann gerne verschenkt werden, wenn es keine Möglichkeit gibt, dass diese über die Krankenkasse finanziert wird. Mehr zur Beantragung einer Haushalthilfe ist hier zu finden.

Unterstützung durch gute Freunde

Glückliche Geschwisterkinder: Nicht nur für Eltern, sondern auch für Geschwister bedeutet die Ankunft eines neuen Baby eine große Herausforderung. Je nach Alter sind damit ganz unterschiedliche Emotionen verbunden. Ganz unabhängig vom Alter merken alle großen Geschwister, dass die Eltern durch das neue Baby weniger Zeit und Ressourcen zur Verfügung haben.

Hier können Wochenbetthelfer:innen wunderbar unterstützen, indem sie mit dem großen Kind etwas unternehmen. Das kann ein einfacher Spielplatzbesuch oder ein Eiscafébesuch sein – Hauptsache ein Zeitraum mit ungeteilter Aufmerksamkeit für das Kind. Gleichzeitig haben die Eltern dadurch etwas Exklusivzeit für das neue Baby oder etwas Extraschlaf, wenn das Kleinste auch gerade schläft. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass es eine Bezugsperson für das große Kind ist, welche sich kümmert. Darum sollte hier schon vor der Geburt eine Bindung bestehen oder aufgebaut werden. Befreundete Kitaeltern können Familien im Wochenbett helfen durch Unterstützung bei Bringe – und Abholwegen. Zum Wochenbett mit Geschwisterkindern gibt es hier noch mehr zu lesen.

Wissen statt ungefragter Ratschläge: Gerade beim ersten Kind fühlt es sich oftmals ganz schön überfordernd an zwischen all den verschiedenen Tipps und Meinungen den eigenen individuellen Weg zu finden. Erfahrungen von anderen können hilfreich sein, aber es ist ein schmaler Grat hin zu ungefragten Ratschlägen. Dennoch haben Eltern natürlich ein Informationsbedürfnis. Ein schönes Geschenk kann hier darum zum Beispiel ein Gutschein für eine Trageberatung sein. So können Eltern zwischen all den Tragetüchern, Tragehilfe und Bindetechniken ihre ganz eigene beste Trageweise finden. Auch andere fachlich kompetente Beratungsangebote oder ein Erste-Hilfe-Kurs für Eltern sind eine schöne Geschenkidee.

So viel Wohltuendes wie möglich

Für die Seele: Was den Eltern gut tut, tut dem Baby gut. Deswegen kann es im Wochenbett nicht genug Wohltuendes geben. Das kann ein schöner Strauß Lieblingsblumen sein oder ein Frühstücksbesuch , bei dem Brötchen und Co mitgebracht werden und natürlich auch alles hinterher wieder aufgeräumt wird. Besuche sollten natürlich immer gut und tagesaktuell abgesprochen werden.

Auch Massagen sind ein wunderbares Wochenbettgeschenk. Besonders wenn diese zu Hause direkt stattfinden können und es jemand gibt, der in der Zeit das Baby schaukelt. Gutscheine für Wochenbettmassagen sind also auch eine gute Idee. Darüber hinaus tut es frisch geborenen Eltern gut, wenn man aufrichtiges Interesse für ihre momentane Lebenssituation und ihre Bedürfnisse hat. Zuhören, Wertschätzung und immer wieder die Bestärkung der elterlichen Kompetenzen sind so wertvoll in dieser Lebensphase.

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Kommentare

2 Antworten zu „Gute Wünsche für die Wochenbettzeit“

  1. A
    Anni

    Liebe Anja,

    ich habe selbst drei Kinder und war über jede helfende Hand im Wochenbett dankbar, sei es Kinderbetreuung, Mittagessen oder Einkaufen.
    Mit einer Freundin war es jedoch tatsächlich etwas schwierig, da ich von ihr eine solche Karte (ungefragt) zugesteckt bekommen habe mit dem Wunsch nach Mahlzeiten. Ich habe das als sehr übergriffig empfinden zum dem Zeitpunkt, da es meine persönliche Ressourcen überhaupt nicht hergaben zu dem Zeitpunkt noch für jemand anderes Carearbeit zu leisten. Wir haben sehr intensiv darüber gesprochen und sind auch im guten aus dem Gespräch raus. Was ich sagen will: Liebe Schwangere, geht vorher mit euerm Umfeld ins Gespräch. Sprecht eure Erwartungen an und Wünsche an , berücksichtigt aber vielleicht auch: wer kann realistisch was leisten oder wer nicht? Vielleicht hat die Mama mit drei Kindern unter 4, die gerade wieder im Beruf eingestiegen ist gerade keine Zeit noch doppelt so viel zu kochen, weil sie gerade im Beruf wieder eingestiegen ist und es nicht mal schafft für ihre eigene Familie zu kochen.
    Will sagen: Kommunikation ist alles und Empathie auf beiden Seiten auch!

    1. H
      Heike Brudermüller

      Liebe Anni, vielen Dank für deinen wertvollen Kommentar. Beim Lesen dachte ich, dass das ein schönes Beispiel ist, wie wir als Eltern gut für unsere Bedürfnisse einstehen können. Oftmals kann man sich kinderlos noch gar nicht vorstellen, wie wenig Zeit uns als Eltern für zusätzliches bleibt. Wenn Du Deiner Freundin hier gut sagen konntest, warum du das nicht schafft , hat sie wahrscheinlich ein viel wertvolleres Geschenk als die gewünschte gekochte Mahlzeit von Dir bekommen. Nämlich die wichtige Erkenntnis , dass wir als Eltern gut auf unsere Kräfte achten müssen und dazu auch immer wieder gehört, „Nein“ zu sagen. Egal ob es um den Kuchen beim Schulbasar oder um die von dir beschriebene Situation geht. Wie gut, dass ihr dazu ins Gespräch gekommen seid. Denn wie Du so treffend schreibst : Kommunikation und Empathie ist der Schlüssel.
      Liebe Grüße , Anja

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